Wir können euch hören…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

heute muss ich mir Tiffys Blog mal ausborgen, um über eine Angelegenheit zu schreiben, die nicht direkt mit Hunden zu tun hat. Ich hoffe ihr verzeiht mir.

Neulich las ich bei Twitter einen Tweet, der zum Inhalt hatte, dass es doch, wenn man Mittelaltermärkte besucht immer sehr faszinierend sei, dass die Menschen vor 500 Jahren schon Crêpes gekannt haben… Hahahaha!

Solche Texte sehe ich immer wieder beziehungsweise werden sie mir auch immer gerne von allen möglichen Leuten, die wissen, dass ich in einem Mittelalterverein bin zugeschickt.

Beliebte Sätze mir gegenüber sind:

„Das ist ja gar nicht authentisch was ihr da macht!“ „Duscht ihr dann auch nicht?“ „Und die Pest?“ „Frauenrechte bedeuten dir wohl gar nichts!“ „Trägst du dann auch keinen BH?“ „UNREALISTISCH!“

Ich habe dazu mal eine Frage:

Geht ihr eigentlich auch ins Theater und ruft dann plötzlich: „Das ist ja gar nicht der echte Romeo! Und Julia ist viel zu alt, die war doch in der Originalfassung erst 13 Jahre alt!“

Nein, dass macht ihr natürlich nicht! Ihr geht ja ins Theater um euch von den Darstellern unterhalten zu lassen und zum Mittelaltermarkt geht ihr schließlich… ja warum eigentlich? Wenn euch die Darstellung nicht gefällt, dann bleibt doch einfach Zuhause!

Ich werde euch mal ein bisschen was aus dem Nähkästchen erzählen. Wir in dem Mittelalterverein, in dem ich Mitglied bin, sehen uns als Darsteller. Unser Ziel ist es Spaß zu haben und euch, die „Touris“ zu unterhalten.

Alles was ihr in unserem Lager seht, die Waffen, die Rüstungen, die Schlafplätze, die Kisten und Truhen, die Regale, die Zelte haben wir entweder für teures Geld erworben oder in mühevoller Arbeit hergestellt, restauriert usw. Wir zeigen euch gerne alles und erklären es auch. Wir vergleichen gerne die Sachen, die wir ausstellen und die Sachen wie sie vermutlich zu den verschiedenen Zeiten des Mittelalters tatsächlich vorhanden waren. Wir fachsimpeln auch gerne mit euch darüber. Wir geben euren Kindern und auch euch gerne unsere geliebten Schwerter in die Hand und natürlich darf euer Kind auch mal in einen Plattenhandschuh schlüpfen, um zu fühlen wie schwer das ist. Wenn wir merken, dass eure Kinder sich nicht so sehr für historische Fakten interessieren, erzählen wir Geschichten von Raubrittern und Burgen und wilden Schlachten. Wir lassen uns gerne mit euch zusammen fotografieren. Weil ihr es seid, vertrauen wir euch auch ganz leise das Geheimnis an, dass da ein Schlafsack zwischen den Fellen und Decken im Bett versteckt ist, weil es nachts doch recht kalt ist. Auch wenn ihr zum fünften Mal, trotz Bitte es nicht zu tun, mit der Hand an die blanke Klinge des Schwertes gefasst habt, lächeln wir euch noch an und erklären eurem Kind geduldig, dass es lieber nicht ins Lagefeuer fallen sollte. Wir beantworten gerne 500 Mal am Tag die Frage ob das ein richtig echtes Feuer ist und ob wir das Essen im Kessel den wirklich ganz in Echt auch essen.

Wenn ihr dann beim Gehen fragt, was das da für ein Kästchen ist und wir euch zwinkernd erklären, dass es sich um unsere Spendendose handelt und wir uns über einen kleinen Obolus freuen würden, nachdem wir euch gerade eine halbe Stunde Individualbespaßung geboten haben, dann zucken wir mit keiner Wimper, wenn ihr so tut, als würdet ihr die Dose mitnehmen und keinen müden Cent hineinwerft.

Wenn ihr dann an unserer Lagerabspannung steht und zu eurer Partnerin sagt: „Was für Vollspacken, ich hätte da ja keinen Bock drauf und außerdem haben die ja eh keine Ahnung!“ dann tut das weh. Und wir können euch hören. Trotzdem werden wir den nächsten mit genauso viel Freundlichkeit begrüßen und ihn mit der gleichen Motivation herumführen.

Wir hören euch übrigens auch, wenn ihr während der Feuershow unsere Kleidung und unsere Körper durchhechelt. Jedes einzelne: „Guck mal die da!“ „So würde ich mich ja nicht raustrauen!“ „Die ist bestimmt magersüchtig!“ „Guck mal, da quillt der Bauch über die Hose!“ trifft uns bis ins Mark. Trotzdem stehen wir lächelnd auf der Bühne, um euch eine gute Show zu bieten.

Wenn ihr euch jetzt denkt, dass ich mal nicht so jammern soll, weil wir ja schließlich dafür bezahlt werden, solltet ihr euch klar machen, dass wir als Lagergruppe nicht bezahlt werden. Das wir unser Material da hinfahren, euch eine tolle Rüstshow bieten, mittelalterliches Handwerk performen usw. ist unser reines Privatvergnügen. Lediglich für Feuershows und Theaterstücke erhalten wir eine Gage. Diese deckt im Regelfall das Verbrauchsmaterial und unsere Haftpflicht- und Unfallversicherung, die jedes Jahr eine hübsche Summe vertilgt, weil wir als Feuergaukler und Schwertkämpfer nun mal ein hohes Risiko eingehen und dabei auch was schief laufen kann. Deshalb trainieren wir üblicherweise auch einmal pro Woche in der Gruppe und jeder für sich alleine noch zusätzlich.

Also versucht doch mal Mittelaltermärkte als das zu sehen, was sie sind. Eine Art 4D Theater in das ihr eintauchen könnt. Wir Lagergruppen, Darsteller, die Veranstalter und die Händler geben uns alle Mühe euch ein großartiges Erlebnis zu ermöglichen. Gebt uns ein bisschen Anerkennung dafür. Esst eure Steaksemmel und euren Crêpe und macht euch klar, dass die Händler euch mit authentischem, ungewürztem Getreidebrei wohl kaum hinter dem Ofen hervorlocken könnten. Kommt in unser Lager, lasst euch unterhalten, stellt interessierte Fragen und wenn es euch gefallen hat, lasst uns eine kleine Spende da, damit wir noch mehr tolle Sachen kaufen können, die wir euch gerne zeigen möchten. Und wenn es euch aus irgendeinem Grund nicht gefallen hat, dann seid entweder so mutig und sagt es uns ins Gesicht oder verlasst uns einfach schweigend wieder.

Und wenn ihr mit dem Thema Mittelaltermarkt so gar nichts anfangen könnt, dann bleibt bitte einfach Zuhause oder macht etwas, dass euch Spaß bereitet. Damit tut ihr euch selbst und uns einen Gefallen.

Herzlichst,

eure Karen

Die Sache mit dem Hundefutter Teil 3…

(Der Blogartikel enthält Namen von Produkten und weiterführende Links zu Onlineshops. Die Produkte wurden der Verfasserin weder kostenfrei oder reduziert zur Verfügung gestellt noch besteht irgendeine Art von Werbevertrag mit den Herstellern. Es handelt sich lediglich um persönliche Erfahrungsberichte.)

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

heute geht es Mal wieder um das Thema Fütterung.

Dazu gab es früher schonmal Beiträge, und zwar:

Das Thema bleibt im Zusammenleben mit Tiffy aber immer ein Dauerbrenner. Prinzessin Hund frisst nämlich nicht unbedingt Alles und hat sehr genaue Vorstellungen von der Zubereitung bestimmter Lebensmittel. Zum anderen ist es aufgrund ihrer Arthrose wichtig, dass sie bestimmte Nährstoffe, Vitamine und Mineralien in ausreichender Menge erhält. Dazu kommt noch, dass jedes Gramm, dass sie zu viel auf den Rippen hat auch ein Gramm ist, dass ihren Ellbogen zusätzlich belastet und das Fortschreiten der Erkrankung zusätzlich beschleunigt.

Auf ihrer Pflegestelle wurde Tiffy gebarft. Als ich sie übernommen habe, wollte ich ihren Ernährungsplan erstmal genauso weiterführen. Ich kaufte also fleißig Fleisch ein, bereitete Gemüseportionen vor, die ich einfror und dann kam der Hund. Und egal was ich auch versuchte, Tiffy rührte die BARF-mahlzeiten nicht an. Also fütterte ich ihr eine hochwertige Nassfutterdose, die mir eine Freundin gab. Und das war für Tiffy das absolut Größte. Nassfutter aus der Dose, wegen Tiffy gerne auch ein Leben lang.

Mäkelbären sortieren auch mal aus.

Wir einigten uns also erstmal auf einen Kompromiss. Ich kaufte ihr hochwertige Reinfleischdosen und sie bekam quasi BARF ohne R. Also Gemüseflocken, Öle, Futterzusätze und eben Reinfleisch aus der Dose von Lunderland oder Hermanns. Menüdosen wurden das Äquivalent zur Tiefkühlpizza bzw. zum Lieferdienst, wenn es schnell gehen musste oder wenn wir unterwegs waren.

Im Februar 2019 besuchte ich mit Tiffy erstmals eine Physiotherapeutin, da sie zu diesem Zeitpunkt ein deutlich verschlechtertes Gangbild zeigte. Es war noch nicht gesichert, dass sie eine Arthrose hatte, der Verdacht lag aber bereits vor. Die Physiotherapeutin wollte unter Anderem gerne bei der Ernährung ansetzen und entwickelte einen Ernährungsplan. Zudem riet sie mir, wenn irgendwie möglich wieder auf BARF umzustellen, da diese Ernährungsart besser geeignet sei den speziellen Bedarf eines erkrankten Hundes zu decken.

Da Tiffys neuer Ernährungsplan unter Anderem die regelmäßige Fütterung von frischem Blut vorsah, machte ich mich auf die Suche. In den ortsnahen Tierfutterläden, die eine größere Auswahl an BARF Fleisch und Zubehör anbieten wurde ich leider nicht fündig. Also recherchierte ich Online und bei Frostfutter Perleberg war ich schließlich erfolgreich. Da es sich aber natürlich nicht lohnt für einen Liter gefrorenes Rinderblut extra eine Bestellung aufzugeben, packte ich auch noch ein paar Rohfleisch Produkte in den Warenkorb von denen ich hoffte, dass Tiffy sie mögen könnte. Hauptsächlich fein gewolftes Fleisch von Rind und Huhn, ein paar Hühnerhälse, ein paar Fleischige Knorpel und Knochen.

Auch Blut kann hübsch verarbeitet werden.

Auf einen Tipp der Ernährungsberaterin hin, begann ich Reinfleisch aus der Dose mit Rohfleisch zu mischen. Am Anfang gab es 100g Dosenfleisch und 50g Rohfleisch gemischt und Tiffy nahm das super an. Und dann reduzierte ich langsam den Anteil an Dosenfleisch und erhöhte die Rohfleischkomponente. Und es klappte tatsächlich. Irgendwann konnte ich das Reinfleisch weglassen und Tiffy futterte ihr BARF mit sichtlichem Genuss. Das einzige, was mich ein wenig störte war, dass das Fleisch in 500g Würsten oder im Kilo Pack kam. Ich musste es also jeweils zumindest teilweise auftauen, passend portionieren und dann wieder einfrieren. Da ich aber nur eine begrenzte Zahl von kleinen Dosen zur Verfügung hatte, gab es dann immer über einen gewissen Zeitraum nur das gleiche zu fressen, bevor ich wechseln konnte.

Sheps Besitzerin riet mir dann, doch mal den Fresco Shop zu besuchen. Sie hatte dort für Shep die Trockenbarf-Pallets bestellt, da er im Sommer nicht so gut frisst und er diese besser annahm als sein übliches Futter. Der Vorteil bei Fresco ist, dass das BARF Fleisch gewürfelt gefroren ist, man also die benötigte Menge direkt aus dem Tiefkühlschrank entnehmen kann, ohne den kompletten Beutel aufzutauen. Zudem kann ich immer gleich noch Menüdosen für die Futternotfälle oder Reisen mitbestellen, da Tiffy diese sehr gerne frisst und gut verträgt und auch das Sortiment an Leckerlis und Kauartikeln spricht meinen Mäkelbären sehr an.

Vorratsbestellung

Trotzdem habe ich bezüglich des Rohfleischs kürzlich wieder zu Frostfutter Perleberg zurück gewechselt. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen ist da der Preis. Ich zahle für die gleiche Fleischmenge bei Fresco fast das doppelte von dem, was ich bei Perleberg zahle. Zum anderen ist Perleberg nach wie vor der einzige Hersteller, bei dem ich frisches, gefrorenes Tierblut gefunden habe. Und zuletzt und zugleich für mich aber mit am wichtigsten, war mir die Auswahl bei Fresco nicht groß genug. Tiffy soll aufgrund ihrer Arthrose relativ viel Fisch essen. Sie mag Fisch grundlegen aber eigentlich gar nicht so gerne. Den gewolften Lachs und den gewolften Fisch Mix von Perleberg futtert sie aber gerne. Auch kann ich bei Perleberg vom ganz fein gewolften Fleisch bis hin zum Kilo Ziege mit Knorpel und Knochen am Stück quasi alle Größen bekommen. Bei Fresco sind die Stückgrößen durch die Würfelform natürlich limitiert. Auch bietet Fresco keine rohen fleischigen Knochen (RFK) sondern nur gemahlene Knochen in Würfelform.

So ein Stück Ziege will zerlegt werden.

Zu Beginn hat Tiffy eh nur gewolftes Rohfleisch gefressen. Je feiner, desto besser. Ich habe schon öfter mal gehört, dass dies wohl etwas ist, dass relativ viele Angsthunde gemeinsam haben. Inzwischen ist sie aber durchaus auch bereit größere Fleischstücke oder fleischige Knochen an sich zu nehmen und zu bearbeiten. Ich halte dies für sinnvoll, weil sie dann ihre Zähne richtig einsetzen muss und ein bisschen für ihr Futter arbeitet und es nicht einfach nur wie Brei in sich reinschlürft.

Deshalb werde ich zukünftig bei Fresco weiter die Menüdosen bestellen, da die Auswahl hier wirklich riesig ist und Tiffy alle Sorten gerne mag. Auch bei den Kauartikeln werde ich bei Fresco bleiben, da auch diese meiner wählerischen Hundedame am ehesten Munden.

Das Auge isst mit.

Bezüglich des Rohfleischs und der Knochen werde ich mein Vertrauen aber weiter in Frostfutter Perleberg setzen. Inzwischen besitze ich auch eine ansehnliche Sammlung billiger Plastikdosen mit Deckel in verschiedenen Größen, um Fleisch und Innereien zu portionieren und bestelle zugleich nach Möglichkeit eher die 500g Portionen, auch wenn diese mich oft etwas teurer kommen. So kann ich für regelmäßige Abwechslung im Speiseplan sorgen.

Viele Grüße,

Karen und Tiffy

Impulskontrolle…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

ich bin ein eher ungeduldiger Mensch. Mit mir selber bin ich sowieso immer ungeduldig und mit Anderen eben auch.

Für meine Arbeit als Sozialpädagogin und Mediatorin in Strafsachen musste ich lernen wenigstens mit anderen Menschen Geduld zu haben. Trotzdem neige ich zum Beispiel dazu Anträge für meine Klienten auszufüllen und ihnen währenddessen zu erklären was ich mache, weil es mich irre macht, wenn Jemand schon gefühlte 5 Minuten braucht um die Kästchen mit den persönlichen Daten auszufüllen.

Auch meine Mitarbeiterinnen würde ich manchmal gerne umhauen, wenn sie mich rufen, weil das Internet nicht funktioniert und ich einfach nur das Lan-Kabel wieder richtig einstecke, dass sich beim Staubsaugen gelockert hat. Aber zum einen darf man als Chef keine Mitarbeiter schlagen (habe ich gehört) und zum Anderen machen sie es ja nicht absichtlich (hoffe ich zu mindestens).

Und natürlich bin ich auch mit Tiffy manchmal ungeduldig. Herrgott nochmal, wir sind schon 100000 Mal an LKWs mit laufendem Motor vorbeigelaufen ohne das die explodiert sind! Trotzdem ist es jedes Mal ein großes Drama. Und ja, ich gebe es zu: Manchmal würde ich sie gerne schütteln und anschreien oder in Tränen ausbrechen, wenn wir wieder und wieder einen Kampf austragen, den wir schon so verdammt oft ausgetragen haben (wir miteinander gegen die Angstauslöser der Welt; nicht Tiffy und ich gegeneinander). Aber ich tue es nicht. Sie macht das ja nicht um mich zu ärgern und außerdem wäre das für unser Ziel sowieso total kontraproduktiv.

Am schlimmsten ist es natürlich, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ärgern will und absichtlich ungehorsam ist. Heute gingen wir zum Beispiel wie jeden Mittwoch mit Shep spazieren. Tiffy darf die Sackgasse hoch zum Feld inzwischen eigentlich ohne Leine laufen, weil sie normalerweise immer brav hinter Shep hertrottet und sich auf Handzeichen am Rand hinsetzt, wenn ein Auto vorbeifährt… nur heute halt nicht. Heute fuhren zwei Autos an uns vorbei und Tiffy trödelte gemütlich auf der Straße herum, blieb vor dem einen Auto stehen um mich fragend anzugucken, während ich sie hektisch aufforderte beiseite zu gehen und zugleich Shep festhielt. Ich sage es euch ganz ehrlich. Am liebsten hätte ich sie am Geschirr gepackt, auf Gesichtshöhe hochgezerrt und sie angebrüllt was zur Hölle eigentlich in sie gefahren ist. Habe ich aber natürlich nicht gemacht. Ich habe sie zu mir gerufen, sie gelobt, weil sie gekommen ist und habe sie an die Leine genommen.

Später im Wald trafen wir einen Mann mit einer hübschen Jagdhündin. Ich hatte gerade Sheps Hinterlassenschaften eingetütet und die Hündin deshalb erst bemerkt als der Mann nach ihr rief. Ich ging etwas beiseite, lotste Tiffy hinter Shep und nahm den Krawallbären kurz. Die Hündin ignorierte den Ruf ihres Besitzers und kam neugierig auf uns zu. Shep regte sich furchtbar auf, stand halb auf den Hinterbeinen, stemmte sich in die Leine und bellte wie ein Verrückter. Die Hündin umkreiste uns und ignorierte nach wie vor ihr Herrchen. Dieser rief zunehmend zorniger nach ihr, vor allem nachdem er nach ihr griff, sie ihm auswich und sich uns von der anderen Seite näherte.

Dann erreichte er die Hündin, packte sie am Halspelz, wobei er auch ihr Schlappohr erwischte, zerrte sie mit sich, warf sie vor sich auf den Weg und brüllte sie dabei an. Ich rief: „Bitte hören Sie auf! Sie tun ihr doch weh! Es ist doch nichts passiert! Bitte nicht!“ Mehr war mir leider in dem Moment nicht möglich, weil Tiffy sich hinter mir versteckte und Shep sich nun natürlich noch mehr aufregte.

Der Mann ignorierte mich, forderte ein Sitz und ein Platz von ihr ein, leinte sie an und trollte sich schimpfend den Weg entlang. Ich beruhigte beide Hunde und trottete mit ihnen nach Hause, während ich beiden erklärte, wie brav und schön sie sind, mehr um mich selbst zu beruhigen als sie.

Warum aber schreibe ich das Alles? Nun, weil ich den Impuls des Mannes verstehen kann. Ich glaube nicht, dass er ein schlechter Mensch ist, oder das er seine Hündin nicht gern hat. Um das einschätzen zu können müsste ich ihn auch besser kennen. Nur hat er hier definitiv die Grenze überschritten, die wir nicht überschreiten sollten.

Immer wieder, wenn ich mit Hundebesitzern oder auch beruflich mit Eltern spreche, sage ich folgenden Satz: „Vergiss nicht, dass er/sie das nicht tut um dich zu ärgern!“ Die Hündin wollte nicht ungehorsam sein. Sie war nur neugierig und die Befriedigung der Neugier war ihr in den Moment wichtiger.

Wenn Tiffy auf der Straße rumtrödelt, dann nicht, weil sie mich und die Autofahrer in den Wahnsinn treiben möchte, sondern weil sie vielleicht gerade vergessen hat, dass wir das nicht machen oder weil sie etwas gerochen hat, dass sie ablenkt oder aus welchen Gründen auch immer. Wenn ich Tiffy packe und schüttle, dann lernt sie nicht, dass Autos gefährlich sind, sondern das ich eine absolut unberechenbare Gefahr darstelle. Ausserdem fühle ich mich danach sicher nicht besser, sondern wie der letzte Abschaum. Und ich kann nur hoffen, dass der Mann sich heute auch echt schlecht gefühlt hat danach und das er sowas nicht mehr macht.

Wie ist das denn bei euch? Wollt ihr euren Vierbeinern auch manchmal an den Kragen?

Viele Grüße,

Karen und Tiffy

O-Ton

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

wie ihr vielleicht wisst, gehe ich seit inzwischen 5,5 Jahren jeden Mittwoch mit meinem Patenhund Shep Gassi und seit ich Tiffy habe findet dieses Mittwochsdate eben zu dritt statt.

Heute möchte ich euch einmal mitnehmen auf so ein Gassi und euch in Form von Zitaten meinerseits an der Freude und inneren Ruhe teilhaben lassen, die man durch so einen gemütlichen Spaziergang mit zwei lieben Hunden erfahren darf…

„Also dann mal los.“

„Halt doch mal still! Nicht wegdrehen!“

„Wir gehen ja gleich los, aber wenn du so rumzappelst kriege ich den Karabiner nicht dran!“

„Okay! Benehmt euch!“

„Tiffy hier her!“

„Hinter mich!“

„Da kommt ein Auto!“

„Kannst du vielleicht einmal den Weg gehen, den Shep und ich auch gehen? Brauchst du immer eine Extrawurst?“

„Shep was zum… AUS! Sofort aus! Was zum…? Oh mein Gott!“ *würgegeräusch* Wie kann man nur so widerlich sein? Wenn ich den irgendwann mal erwische! Der frisst seine eigenen Hinterlassenschaften! Du gehst jetzt bei mir! Wenn du das nochmal machst, dann läufst du in Zukunft an der 50 cm Leine! Für den Rest deines Lebens!“

“Wo ist jetzt das andere Monster wieder?“

Tiffany!

„Wo ist die denn jetzt wieder?“

„Ah da!“ *tütenraschelgeräusch*

„Wo hat die jetzt? Ah ja klar. Jetzt muss der Herr natürlich auch…“

*mehrtütenraschelgeräusch* *Tütenrollenrunterfallgeräusch*

„War ja wieder klar jetzt! Tiffy! Hier her! Nicht zu dem anderen Hund! Zurück!“

*Naturgeräusche*

„Was zum…! Wie bist du denn jetzt da rüber gekommen? Sofort raus da! Du kommst jetzt auf der Stelle wieder auf diese Seite vom Zaun! Raus da, hab ich gesagt!“

Aua! Wenn du mir das Handgelenk abreissen willst, mach nur so weiter, Don Rambus!“

Du kommst jetzt auf der Stelle hier her, Tiffany! Sonst gehst du für immer an der Leine!

“Und jetzt beide Sitz! Wie könnt ihr so süß und gleichzeitig solche flauschigen, kleinen Arschlöcher sein?“

„Da braucht ihr gar nicht so dämlich zu grinsen!“

*Naturgeräusche*

„Oha, wo kommt den jetzt der Hund her?“

„Shep! Nein! Lass ihn! Du bist zu wild! Nein!“

(laut)

„Hallo! Ja, der ist ein bisschen aufgeregt… Haha…“

(leise)

„Wenn dein Köter zu Alt für solche Spielchen ist, dann lass ihn vielleicht nicht her, wenn du siehst, dass meiner komplett ausrastet… Dämliche Kuh mit deinem perfekten kleinen Cäsarhund!“

„Warum müsst ihr zwei euch eigentlich immer aufführen wie der Sonderschulausflug?“

„Könntet ihr euch mal auf ein Tempo einigen?“

„Ich muss da kurz an den Mülleimer! Bleib doch mal stehen! Nicht in die Leine! Tiffy zurück! Ach Gott, dann geht halt der Shep unter der Leine durch, wenn du dich nicht drüber traust!“

„Da kommt ein Auto! Rüber! Rüber! Ne! Beide auf die gleiche Seite!“

„So! Da sind wir wieder!“

Ihr seht also, so ein Mittwochsgassi mit Tiffy und Shep ist etwas ganz Besonderes…

Viele Grüße,

Karen

Indihundo Jones und die Jagd nach dem Kristallkauknochen…

Liebe Menschlinge und Hundefreunde,

wir waren in letzter Zeit ganz schön still und wahrscheinlich habt ihr uns vermisst. Wir wollten euch auch ganz viel schreiben, hatten große Idee und dann starb plötzlich der Vater von meiner Menschin und alle Pläne waren irgendwie über den Haufen geworfen. Aber davon soll sie euch irgendwann Mal selber erzählen.

Ich wollte euch heute nämlich eine Abenteuergeschichte erzählen. Ich bin nämlich eine ganz schön tapfere Tiffy und meine Freundin Amy hat gesagt, dass ich wie Indihundo Jones in „Die Jagd nach dem Kristallkauknochen“ bin.

Wenn ich nämlich das Abenteuer wittere, dann kenne ich keine Angst mehr, dann kann mich nichts aufhalten. Nichtmal Arthur schenke ich dann noch meine Aufmerksamkeit. Ich habe nur noch mein Ziel vor Augen und verfolge dies mit erbarmungsloser Konsi…, erbarmungsloser Konsä… naja, ich verfolge es eben erbarmungslos!

Wir waren nämlich wieder an der Ostsee und da gibt es doch diese tollen Kletterfelsen und ich bin ganz alleine da hoch geklettert und die Menschin musste nur ein einziges Mal hinterher klettern, weil ich den Weg nach unten nicht mehr gefunden habe. Aber die anderen Male war ich ganz alleine da oben und bin auch ganz alleine wieder runter geklettert. Und wenn man ganz viel Glück hat, gibt es oben an den Felsen sogar leckere Grasbüschel die man futtern kann oder man findet etwas Interessantes in dem man sich wälzen kann.

Und der Strand ist ja eh klasse. Da sieht es jeden Tag anders aus, man kann ganz toll durch den Sand wetzen und Kekse suchen und spielen und die Wellen geben dem Ganzen immer einen Hauch von Gefahr.

Macht ihr eigentlich auch so gerne Urlaub wie ich?

Viele Grüße, eure Tiffi

Selbsternannte Hundeprofis (Blogparade)

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffys Freundin Shiva und ihr Frauli haben zu einer Blogparade aufgerufen und da reihen wir uns natürlich auch ein.

Grundsätzlich stelle ich mal die Behauptung in den Raum, dass ich sehr offen und zugänglich für Tipps und Vorschläge bin. Ich profitiere gerne von den Erfahrungen anderer und insbesondere in Hinsicht auf Tiffys Arthrose bin ich für neue Ideen und Anregungen immer Dankbar.

Es gibt aber eine Sache, mit der komme ich überhaupt nicht gut zurecht. Und das ist die „ich weiß Alles und du Nichts Einstellung“ mancher Leute. „Was ich sage ist Gesetz!“, „Ich spreche nur die Wahrheit und meine Erfahrungen gelten für alle Hunde auf der Welt“

Ganz im Ernst, da stellt es mir die Nackenhaare auf! Ich will euch ein paar Beispiele nennen, damit klarer wird, wovon ich spreche.

Zieh ihr besser ein Geschirr an:

Neulich Abend ging ich mit Tiffy eine Runde um den Block. Da es ja nur eine kurze Runde werden wollte, nahm ich nur Halsband und Leine mit und kein Geschirr. Im letzten Drittel der Strecke, merkte ich plötzlich, wie sich Tiffy anspannte (ich schaute gerade aufs Handy, weil ich nebenher Wizards Unite spielte… wer ohne Sünde ist, werfe das erste Smartphone…) und hörte Jemanden brüllen. Im Hochschauen sah ich eine Bulldogge quer über Feld auf uns zudonnern und einen Mann, der rufend hinterher stürmte. Ich trat dem Tier in den Weg und brüllte es an, weshalb der Bulli einen Haken schlagen musste und nicht mit voller Wucht in Tiffys Seite preschen konnte. Trotzdem begann er Tiffy zu bedrängen und schwups, war sie auch schon aus dem Halsband geschlüpft und auf der Flucht. Dank 2,5 Jahren Bindungsarbeit konnte ich Tiffy wieder zu mir rufen. Praktischerweise bekam ich dabei den Bulli am Geschirr zu fassen, der ihr ja immer noch auf den Fersen war und konnte ihn an seinen hysterischen Besitzer übergeben, der sich immer wieder versuchte zu entschuldigen und mir unbedingt helfen wollte, Tiffy wieder einzufangen. Nachdem ich ihn mit knappen Worten weggeschickt hatte, ging ich auf Tiffy zu. Sie setzte sich auch hin um sich anleinen zu lassen, wich mir jedoch jedes Mal aus, wenn ich ihr das Halsband umlegen wollte, weil sie das schon im Haus kaum ertragen kann und es draußen viel zu schlimm für sie war. Ich musste also meinen nackten Hund, ohne Leine, an der Straße entlang nach Hause führen.

Diese Geschichte, beschrieb ich in der Facebookgruppe, in der sich die Besitzer der „Ein Herz für Streuner“ Hunde austauschen um die Wichtigkeit der doppelten Sicherung in der Zeit nach der Adoption zu betonen. Ein kommentar zu meinem Beitrag lautete „Zieh ihr doch besser ein Geschirr an! Meine Hündin kommt mit Halsband gar nicht klar.“

Ähm… okay. Weil deine Hündin mit Halsband nicht klar kommt, soll ich meiner jetzt ein Geschirr anziehen? Zum einen kam in meinem Beitrag deutlich heraus, dass Tiffy üblicherweise ein Geschirr trägt. Zum anderen, hat Tiffy am Geschirr deutlich mehr Probleme als am Halsband und in Angstsituationen ist sie nur am Halsband führbar.

Asphalt ersetzt Krallenpflege:

Nöle, einer von Tiffys lieben Twitterfreunden, beschwerte sich darüber, dass er schon wieder eine Pfotiküre (Krallen schneiden und pfeilen) über sich ergehen lassen müsse.

Jemand schrieb: „Also wenn man regelmäßig Asphalt läuft, spart man sich das.“

Das ist einer dieser wahnsinnig hartnäckigen Mythen und entsprechend hätte diese Aussage an sich mich noch gar nicht gestört. Das die Dame allerdings auf entsprechende Versuche der Richtigstellung von verschiedenen anderen Twitterern extrem beleidigt reagierte und diese zum Teil blockierte, lies mich doch etwas stärker mit dem Kopf wackeln.

Der arme Hund:

Mein persönliches Highligt an aggressiver Einmischung war eine Dame, die auf einen Twitterpost von Tiffy bezüglich der Arthrose mit zunächst freundlichen Tipps reagierte. Ich solle doch mal Traumeel probieren und ein Nahrungsergänzungsmittel (habe ich leider wieder vergessen). Ich bedankte mich artig, stellte kurz klar, dass Homöopathie und ich nicht zusammen kommen und ich deshalb kein Traumeel verwende und fragte genauer nach dem Nahrungsergänzungsmittel, weil ich davon noch nichts gehört hatte und es wirklich interessant klang.

Die nächste Nachricht der Dame war bereits etwas weniger freundlich, was wohl auf meine persönliche Ablehnung von Hömöopathie zurück ging, die sie als persönliche Beleidigung all ihrer Werte und Lebenseinstellungen auffasste (anders kann ich mir das nicht erklären). Aber als Weltretter versuchte sie natürlich noch mich und meinen Hund zu retten und legte mir nahe die Schmerzmittel weg zu lassen, weil die nicht wirksam seien. Wenn ein Schmerzmittel nämlich nach spätestens drei Tagen keine vollkommene Schmerzfreiheit erwirkt, ist es absolut wirkungslos!

Und nun begann der Spaß erst richtig. Ich merkte nämlich an, dass mir dies zum Einen aus meiner persönlichen Erfahrung anders bekannt wäre und mir dies von Tiffys Tierärzten auch anders erklärt worden sei. Daraufhin antwortete sie, dass die Tierärzte ja schließlich nur Geld machen wollten und deshalb keinerlei Interesse an einer Schmerzfreiheit des Hundes hätten, weil ich sie dann schließlich nicht mehr bezahlen würde (jetzt wisst ihr es, ihr Tierärzte da draußen…). Ich bat sie, nach wie vor höflich, an dieser Stelle einen Punkt zu machen, da mindestens Tifffys Haustierarzt über jeden Zweifel erhaben und ausserdem ein guter Freund der Familie sei (eigentlich von Sheps Familie, aber so genau wollte ich das mit dieser frau dann auch nicht diskutieren). Darauf antwortete sie mit: „Der arme Hund!“

Nun gut. Danke für das Gespräch! Ich habe sie danach blockiert und sie mich auch.

Ich könnte noch unmengen dieser Beispiele erzählen. Menschen die mich auf der Straße ansprechen, weil mein Hund humpelt und mir zum Teil aggressiv nahe legen zum Tierarzt zu gehen und mir nicht glauben wollen, dass sie bereits in Behandlung ist. Menschen, die mir zur Horizontaltherapie raten und nicht gelten lassen, dass Tiffy sich eher in unserem Gartenteich ertränken würde, als sich Strompads auf die Füße kleben zu lassen und so weiter.

Diese Menschen wissen nämlich viel besser, was für meinen Hund richtig und falsch ist und alle meine Erfahrungen mit diesem besonderen Hund, als das gesammelte Wissen und unsere Beziehung sind nichtig, im Schatten ihrer leuchtenden Weisheit…

Viele Grüße,

Karen und Tiffy

Schatten und Licht…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffy und ich waren vor kurzem, wie jedes Jahr im August, an der Ostsee. Doch dieses Mal ist die Urlaubsfreude etwas getrübt. Zwar war durch die Röntgenbilder schon klar, dass Tiffys Arthrose schlimm ist, doch die CT Bilder haben nochmal verdeutlicht, wie schlecht es tatsächlich um ihren Ellbogen steht.

Der rechte und linke Ellbogen im Vergleich.

Zudem heilte die Brustwunde von der Entfernung des Knubbels sehr schlecht ab. Am 24.07. wurden sowohl am Ellbogen als auch an der Brust die Fäden gezogen. Die Beinwunde war schnell zu und selbst die Narbe ist kaum noch zu sehen. Die Brust hingegen ist nach wie vor dick, ein bisschen rot und der Riss verwächst sehr langsam. Eine Woche nach dem Fäden ziehen war ich hier oben an der Ostsee bei einer Tierärztin, die sich die Wunde nochmal angesehen hat. Sie vermutet, dass Tiffy den selbstauflösenden Unterfaden nicht so gut verträgt und die Wunde deshalb nicht so gut abheilt. Ihre Empfehlung war, einfach abzuwarten und Geduld zu haben. Kurz danach meldete sich jedoch eine liebe Twitter-Followerin von Tiffy, die mir Propolis empfahl und uns auch gleich per Expressversand zwei Fläschen zukommen lies. Doch darauf werde ich in einem extra Beitrag nochmal genauer eingehen.

Nun versuchten wir trotzdem aus unserem Urlaub das beste zu machen. Tiffy liebt den Strand und klettert für ihr Leben gern über die großen Steine, die hier für den Uferschutz verwendet werden. Ich bekomme zwar jedes Mal einen halben Herzinfarkt, wenn sie so rumturnt, will ihr diese Freude aber auch nicht verwehren. Nach einer Woche Urlaub mit meiner Mutter, kamen meine besten Freunde mit Tiffys Shep in unserem Ferienhaus an und wie immer blühte Tiffy in der Gesellschaft ihres flauschigen Seelenbruders, Bodyguards, Therapeuten und wunderbaren Kumpels regelrecht auf.

Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen

Konfuzius ( 1972: Begegnung, Band 12, Seite 31, Verlag Begegnung )

Und tatsächlich hat diese ganze OP Geschichte bittersüßerweise einige positive Nebeneffekte.

Anhänglichkeit

Tiffy ist seit der OP deutlich schmusebedürftiger und anhänglicher. Sie fordert von den Menschen die sie kennt und denen sie vertraut und vor allem von mir selbst sehr viel mehr Streicheleinheiten ein und ist auch gegenüber freundlichen Fremden offener und zugänglicher. Sie nimmt eher Körperkontakt auf und sucht Trost, wenn sie sich nicht so wohl fühlt.

Bitte kuscheln!

Aushalten

Durch die Notwendigkeit der vielen Tierarztbesuche und der regelmäßigen Wundkontrolle und -versorgung wehrt sie sich nicht mehr so rigoros dagegen angefasst, untersucht und in verschiedene Positionen gebracht zu werden. Toll findet sie es natürlich nicht. Aber sie ergibt sich in ihr Schicksal und legt sich inzwischen freiwillig auf die Seite und hebt die Pfote, damit ich an die Brustwunde komme, wenn ich micht den Utensilien zur Wundversorgung an ihr Bett trete.

Nach der Wundversorgung.

Gehorsam

Tiffy ist ja ein Hund, der grundsätzlich gerne gefallen will. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass dieses gemeinsam durch eine schwierige Zeit gehen, an ihrer Seite sein, auf der Couch schlafen um sie zu bewachen und ihr beizustehen ihren „Will to Please“ mir gegenüber nochmal deutlich verstärkt hat. Sie ist beim Gassi gehen besser abrufbar, fordert aktiv Trainingseinheiten ein und gibt sich besonders viel Mühe mir zu gefallen.

Ich warte auf deine Anweisungen!

Liebe Grüße,

Karen und Tiffy

Eine lange Woche…

Montag

Letzten Montag war der große Tag. Ich brachte Tiffy um 8 Uhr in die Tierklinik und überließ sie einem sehr netten Oberarzt. Trotzdem brach mir ihr Blick, als ich ging fast das Herz und als ich vorne an der Theke nochmal meine Telefonnummer abglich, hörte ich mein kleines Mädchen hinten über das Linoleum schlittern und musste mich sehr beherrschen um nicht zu weinen.

Im Wartezimmer…

Der Arbeitstag verlief für mich eher unproduktiv. Kurz nach der Mittagspause kam zu, Glück bereits der Anruf, dass Tiffy wach war und es ihr soweit gut ging. Sie sollte noch eine Infusion und etwas Wärme bekommen und um 16 Uhr dürfte ich sie holen.

Um 15.40 stand ich also wieder in der Klinik. Mein Auto etwas dreist am Rand der Zufahrt geparkt. Aber alle Parkplätze waren voll und ich wollte mit dem frisch operierten Hund nicht weiter laufen als nötig.

Nach kurzer Zeit im Wartezimmer hörte ich Jemanden über den Flur schlittern. Der Stationsarzt kam mit Tiffy ums Eck. Meine arme Maus war überall nackt und verpflastert und konnte noch nicht so richtig geradeaus gucken. Ich nahm sie mit ins Wartezimmer, während der Stationsarzt eine. freien Raum zur Besprechung suchte. Tiffy sah mich immer wieder kurz an, wedelte und vergaß dann wohl, dass ich da war und versuchte durch das bodentiefe, geschlossene Fenster nach draußen zu gelangen um mich dann wieder anzugucken und kurz zu wedeln. Eine Frau die mit ihrer Katze wartete guckte Tiffy ganz erschrocken an und fragte ob sie wohl angefahren worden sei.

Ausbeute der Arthroskopie…

Während der Besprechung mit dem Arzt fiel auf, dass Tiffys Brustpflaster durchsuppte. Er nahm sie also nochmal kurz mit um das Pflaster zu wechseln, während ich an der Theke all mein Geld hinterließ und mein Erstgeborenes und meine Seele verpfändete. Im nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich nicht gefragt habe ob ich beim Pflasterwechsel zugucken kann. Es ging nämlich relativ fix und ich hätte gerne gewusst wie die Tiffy festgehalten haben um das zu schaffen.

Nun dackelten Tiffy und ich endlich zum Auto. Ich wollte sie eigentlich reinheben, weil sie ja nicht springen sollte. Sie wich meinem Arm aber geschickt aus, schlüpfte an mir vorbei und saß schon auf der Rückbank, ehe ich richtig gucken konnte. Es ist erstaunlich wie schnell sie selbst dann noch ist, wenn sie eigentlich völlig neben sich steht. Auf der Rückfahrt jammerte sie viel. Leider brauchten wir statt der üblichen 30 Minuten ganze 1,5 Stunde n, weil wir in den münchner Feierabendverkehr gerieten.

Dienstag

Den Tag nach der OP verbrachte Tiffy bei meiner Mutter, da ich im dritten Stock ohne Aufzug arbeite und an diesem Tag einen längeren Aussentermin hatte. Schon beim Abholen sagte mir meine Mutter, dass Tiffy den Tag über immer mal wieder Durchfall hatte.

Kaum Zuhause schaffte es Tiffy irgendwie sich mit der Hinterkralle das Brustpflaster halb zu entfernen. Ich legte also Mull und Pflaster bereit, die man mir in der Klinik mitgegeben hatte und begann vorsichtig das restliche Pflaster zu lösen. Tiffy weinte erbärmlich und wehrte sich nach Kräften. Also holte ich eine Schüssel mit warmem Wasser und durch vorsichtiges anfeuchten der Pflasterränder, konnte ich es schließlich lösen. Das Anbringen des neuen Pflasters war ein Kampf und ich hatte definitiv ungefähr 8 Arme zu wenig. Schließlich sah ich mich gezwungen Tiffy sehr laut und deutlich mitzuteilen, dass sie liegen bleiben muss. Das zeigte Wirkung, tat mir aber natürlich schrecklich leid.

Improvisierter Schutzärmel…

Nachdem wir fertig waren und Tiffy wieder in ihrem Schutzshirt steckte, kontte sie sich gar nicht beruhigen. Sie hechelte, wanderte durchs Wohnzimmer, kam immer wieder zu mir zum streicheln. Ich kapierte zu spät, dass das gar nicht ausschließlich an der Pflasterodysee lag, sondern daran, dass sie dringend musste. Tiffy wusste sich schließlich nicht mehr zu helfen und hockte sich auf den Boden.

Dies war der Beginn einer furchtbaren Nacht, in der ich niemals eine Stunde am Stück schlief, weil die Maus dann wieder raus musste.

Mittwoch

Morgens fuhr ich gleich mit ihr zum Tierarzt, der ihr eine Spritze gab und verordnete die Schmerzmittel nach Möglichkeit nicht mehr zu geben. Ausserdem bekamen wir noch riesige Magentabletten mit.

Der restliche Tag verlief recht ruhig. Nach dem Tierarzt nahm ich Tiffy mit zu einem zweistündigen Termin in unserer Aussenstelle, den sie friedlich verschlief. Danach nutzte ich meine Leitungsprivilegien schamlos aus und arbeitete im Homeoffice weiter.

So müde nach der letzten Nacht

Tiffy hatte Mittags nochmal Durchfall und danach war Ruhe. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag schlief sie gut durch.

Donnerstag

Donnerstag nahm ich Tiffy das erste Mal wieder mit in die Arbeit. Ich ging sehr zeitig los und wir nahmen den Weg ganz gemächlich. Trotzdem war Tiffy völlig fertig als wir ankamen und musste erstmal ganz viel schlafen.

Nachmittags musste ich zu einem kurzen Aussentermin und bat unsere Verwaltungskraft ein Auge auf Tiffy zu haben. Kurz nachdem ich weg war, ging sie in mein Büro und stellte fest, dass Tiffy nicht mehr in ihrem Bett lag. Nach einer kurzen Suche fand sie die Flüchtige auf dem Balkon, wo Tiffy sich versteckt hatte um in Ruhe zu versuchen ihr T-Shirt abzulegen. Als ich zurückkam, lag Tiffy beleidigt in ihrem Bett, weil sie geschimpft bekommen hatte. Obwohl meine Mitarbeiter sonst niemals mit ihr schimpfen.

Am Abend fuhren Tiffy und ich mit dem Bus nach Hause, weil ich ihr den Weg nicht nochmal zumuten wollte. Dafür, dass sie vorher noch nie Bus gefahren ist und Angst vor Bussen hat, war sie sehr tapfer.

Die erste Busfahrt

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war sehr unruhig, weil Tiffy ständig versuchte an ihren Wunden rumzulecken.

Freitag

Tiffy und ich wollten wieder mit dem Bus in die Arbeit. Leider erwischten wir den falschen Bus, weil ich nicht wusste, dass es für die gleiche Busnummer noch eine Sonderline für die Schulen gibt und mussten dann doch noch ein Stück laufen.

Erschöpft in der Arbeit…

Trotzdem war der Arbeitstag recht kurz und ereignislos. Ich rief Vormittags in der Klinik an und erkundigte mich nach dem Befund des Knotens. Man sagte mir, dass ein Ergebnis vorliegt und der Arzt mich zurück rufen würde.

Mittags mussten wir dann nach Hause laufen, weil aufgrund des Altstadtfestes keine Busse mehr durch die Innenstadt fuhren.

Nachmittags kam meine Mutter für zwei Stunden vorbei und passte auf Tiffy auf, damit ich ohne Sorgen zum Friseur gehen konnte.

Am Abend war Nachkontrolle beim Tierarzt. Er war zufrieden, weil der Durchfall so schnell weg war. Die Pflaster fand er noch okay und sagte, dass die sich einfach von selbst ablösen sollen und dann auch keine neuen mehr drauf müssen.

Entsetzt reagierte er, als er erfuhr, dass in der Klinik keine selbstauflösenden Fäden verwendet wurden und er die ziehen muss. Er gab mir ein pflanzliches Beruhigungsmittel mit, dass Tiffy morgens und Nachmittags vor dem Termin einnehmen soll. Trotzdem bat er mich sie nach dem Frühstück nüchtern zu lassen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine Sedierung notwendig wird sehr hoch ist.

Nach dem Tierarzt rief ich nochmal in der Tierklinik an. Der Arzt sei im OP. Vielleicht würde er noch heute anrufen, aber eher am Montag.

Kurz vor 21 Uhr klingelte mein Handy. Der Arzt war endlich aus dem OP raus. Der Knoten war gutartig. Nur ein Fettgeschwulst. Berge fielen von meinem Herzen. Tiffy fand es hauptsächlich irritierend, dass ich sie abknutschte.

Die Nacht war wieder unruhig, da Tiffy ständig an sich rumleckte.

Samstag

Der Samstag kam heiß und sonnig daher. Morgens fuhr ich mit Tiffy zur Hundewiese, was sie sichtlich genoss, auch wenn wir nicht so weit gehen konnten, weil sie immer noch recht stark humpelt.

Danach wusch ich Tiffys Schutzkleidung im Schnellwaschgang und hängte sie dann raus in die Sonne zum trocknen. Da alles so schlimm juckte, musste ich sie die ganzen zwei Stunden kraulen und streicheln, damit sie nicht kratzte und leckte.

Gerupftes Hundehuhn…

Bevor ich sie wieder anzog, cremte ich alle rasierten Stellen und die Pflasterränder mit einer hypoalergenen Hautcreme ein um den Juckreiz zu lindern. Tiffy war kurz skeptisch, genoss das eincremen dann aber sehr.

Am Abend lies ich Tiffy mit dem Mann alleine, da ich mit meinem Mittelalterverein für eine Feuershow gebucht war. Davon abgesehen, dass ich nach der Woche sehr müde war, hingen meine Gedanken auch durchgehen Zuhause bei Tiffy. „Ist alles okay?“ „Kommt der Mann klar, wenn sie sich das Pflaster abreisst oder eine Wunde aufgeht?“

Wieder Zuhause stellte ich fest, dass Tiffys Shirt zwar am Bauch etwas feucht vom lecken war, sonst war aber alles in Ordnung.

Die Nacht verlief recht entspannt.

Die Wut der Verzweiflung…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

als Tiffy zu mir kam hatte sie ungefähr 5 schlechte Jahre hinter sich. 5 Jahre in denen Menschen ihr Schlechtes getan haben. 5 Jahre in denen sie gehungert hat, frieren musste, ohne Schutz war und um ihr Leben kämpfte.

Ich versprach ihr also an ihrem ersten Abend, dass ich ihr dafür mindestens doppelt so viele schöne Jahre geben würde. Weil diese Seele von einem Hund es so sehr verdient hat, glücklich zu sein.

Doch langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich mein Versprechen vielleicht nicht halten kann.

Zum einen ist da Arthur, der Tiffy immer wieder Schmerzen verursacht und ihre natürliche Freude an der Bewegung einschränkt. Und natürlich kann es nicht nur eine leichte Arthrose sein, die man gut behandeln kann. Nein. Natürlich muss es eine „End State“ Arthrose sein. Man kann zwar auch hier einiges machen um die Situation zu verbessern und wir scheuen weder Kosten noch Mühen alles Mögliche zu tun, doch letztendlich muss man der Wahrheit ins Auge sehen. Es wird der Tag kommen, an dem nur noch eine komplette Versteifung des Gelenks gegen die Schmerzen helfen wird. Einziger Lichtblick hier ist, dass Tiffys linker Ellbogen, ungewöhnlicherweise vollkommen gesund ist und sie somit gut ausgleichen kann.

Trotz Hinkebein für jedes Abenteuer zu haben.

In der Tierklinik in der ich Tiffy aktuell behandeln lasse geht man übrigens davon aus, dass die Arthrose ein Erbe ihrer Deutschen Schäferhund Vorfahren ist.

Als wäre dies noch nicht genug, entdeckte ich vor drei Tagen bei der Zeckenkontrolle in unserem bayerischen Wald Urlaub, knapp neben Tiffys Brustbein einen kleinen Knubbel. Da ich Mittwoch eh einen Termin in der Tierklinik hatte um das weitere Vorgehen wegen Arthur zu besprechen, lies ich das gleich untersuchen. Die Tierärztin vermutet einen Gesäugetumor. Ich lies also eine Zellprobe entnehmen und warte nun auf das Ergebnis.

So ein lieber Grinsekeks.

Und versuche nicht weiter darüber nachzudenken. Denn sonst schmerzt mein Herz so sehr. Es macht mich so wütend. Nur ist da niemand, auf den ich wütend sein kann. Aber es ist so unfair. Dieser Hund hat so viel gelitten und selber niemals etwas böses getan. Trotz ihrer furchtbaren Angst würde sie eher ihre Zähne verschlucken als einen Menschen zu beissen. Sie versucht immer zu gefallen und man sieht, wie unglücklich sie ist, wenn sie aufgrund ihrer Ängste manche Erwartungen nicht erfüllen, manche Befehle nicht befolgen kann. Wenn ein Mensch Angst vor vor hat, versucht sie verzweifelt zu beschwichtigen und zu gefallen, weil es ihr unbegreiflich ist, dass man sich vor vor fürchten kann.

Einmal so heldenhaft sein wie Tiffy…

So sitze ich also da. Mit Wut und Angst und weiß trotzdem , dass ich weiter alles für meine kleine Maus tun werde, egal wie das Ergebnis der Biopsie ausfallen wird. Vielleicht schaffen wir keine 10 Jahre. Aber wir werden die Zeit, die uns zur Verfügung steht verdammt nochmal gemeinsam genießen.

Eure Karen mit Tiffy

Mordred…

Liebe Menschlinge und Hundefreunde,

vor einigen Wochen trudelte bei uns Zuhause ein großes Paket von Shivas Frauli ein. Die Menschin war etwas erstaunt. Sie hatte Sandra eine DVD geliehen und entsprechend ein viel kleineres Päckchen erwartet.

Das öffnen dieses Pakets sollte mein Leben verändern. Auch wenn das jetzt vielleicht ein bisschen dramatisch klingt. Den neben der DVD, ein bisschen Süßkram für die Menschin, Naschzeug für mich und eine Stofffisch zum spielen, enthielt der Karton auch Mordred.

Mordred ist ein großer, kuschliger Stoffhund mit einem Reisverschluss am Popo. Durch diesen Reisverschluss kann man ihm eine kleine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Bauch stecken und er gibt dann ganz toll lange warm. Vorher fand ich das mit dem Körnerkissen immer furchtbar doof, weil ich nie wusste wo ich meinen Kopf hinlegen sollte. Diese Körner drücken nämlich nach einer Weile ganz furchtbar im Gesicht. Aber Mordred hat einen ganz dick gepolsterten Rücken und ich kann mich prima an ihn kuscheln, während er meinen Ellbogen warm hält.

Die Menschin hat ihm übrigens den Namen Mordred gegeben. Weil er uns ja im Kampf gegen Arthur hilft und Mordred ist nunmal der einzige, der Arthur besiegen kann.

Mordred gehörte früher übrigens Sandras Hund Rocky, der leider nicht mehr lebt. Deshalb ist es mir eine ganz besondere Ehre, dass Sandra ihn mir vererbt hat. Gerade an einem Tag wie heute, wo es draußen kalt und nass ist und Arthur mir immer wieder in den Ellbogen beisst, bin ich sehr froh, dass Mordred da ist und die Schmerzen in Schach hält so, dass ich schlafen kann.

Habt ihr auch einen Gegenstand, der aus eurem Leben kaum noch wegzudenken ist?

Viele Grüße,

eure Tiffi