Hundini…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

wie ihr ja wisst, darf ich seit ein paar Wochen beim Gassi gehen auch immer mal wieder von der Strippe.

Nun sind wir an der Ostsee im Urlaub und ich liebe es so sehr über den Strand zu rasen und im Sand zu buddeln und überall zu schnuffeln wo es mir gerade gefällt.

Nur gibt es natürlich auch bestimmte Regeln, wenn man ohne Leine läuft. Man darf zum Beispiel nicht zu weit weglaufen und man muss immer kommen wenn man gerufen wird und man muss sofort Sitz machen und sich anleinen lassen, wenn der entsprechende Befehl dazu ertönt.

Als braver Hund mache ich das natürlich alles… immer… also fast immer… also meistens wirklich.

Naja, es gibt halt so Momente, wo andere Dinge interessanter sind. Also die Woche ist das zumindest ein zweimal passiert.

Beim ersten Mal sind die Memschin und ich zusammen zum Bäcker gegangen. An so einem Parkplatz biegen wir immer runter zum Strand ab. Da gibt es so eine große Betonmauer. Die Menschin sagt, dass die die Häuser beschützt, wenn das Meer zornig wird. Auf jeden Fall wollte ich gerne mal wissen was hinter der Mauer ist. Und deshalb bin ich, als die Menschin kurz mal nicht hingeschaut hat fix hinter der Mauer verschwunden. Vorne am Parkplatz ist die nämlich ganz niedrig. Nur, dass die Menschin mir nicht, wie ich gedacht hatte hinterher gekommen ist. Sie ist einfach am Strand weiter gelaufen. Das war vielleicht blöd. Da stand ich hinter meiner Mauer und kam mir vor wie der verlassenste Hund der Welt. Zurück laufen wollte ich nicht. Wäre ja voll peinlich gewesen, wenn die Menschin gewusst hätte, dass ich Angst bekommen habe. Also bin ich weiter gelaufen. Und weil ich sicher gehen wollte, dass ich nicht ganz verloren gehe, habe ich mir alle paar Meter auf die Hinterbeine gestellt um über die Mauer zu gucken. Trotzdem war ich ganz schön erleichtert, als ich endlich einen Durchgang gefunden habe und wieder zur Menschin laufen konnte.

Beim nächsten Mal bin ich einer wirklich wahnsinnig interessanten Spur gefolgt. Die ging hinter so ein Haus an der Promenade. Nur als ich fertig war und wieder zum Strand gelaufen bin, war die Menschin nicht mehr da. Man hab ich mich erschreckt. Ich hab ganz hektisch umgeguckt und sie zum Glück direkt hinter mir gefunden. Sie war mir nämlich nachgegangen um aufzupassen. Naja, da das bei der Runde mein zweiter Verstoß war, musste ich den Rest des Weges an der Leine bleiben.

Das ist nämlich die große Regel. Zweimal ungehorsam sein bei einer Runde und man muss wieder an der Leine gehen.

An einem anderen Tag haben wir einen schönen Spaziergang zum Leuchtturm gemacht. Da gab es so einen Weg nach oben. Die Menschin hatte mir verboten da hoch zu gehen. Aber dann auf dem Rückweg haben die Menschlinge Fotos gemacht und sich unterhalten und mich gar nicht beachtet und da wollte ich nur mal ganz kurz gucken, ob es da was besonders tolles gibt. Es musste ja schließlich einen Grund geben, warum ich da nicht hochgehen durfte. Also bin ich hochgeklettert und hab mich mal umgeschaut und da war so eine Wiese und dahinter ein sehr spannender Feldweg. Aber als ich gerade den Feldweg genauer erkunden wollte, habe ich die Menschin und den Menschenmann schon rufen gehört. Und obwol es mein erster Verstoß war, musste ich sofort an die Leine.

Naja, jedenfalls nennt mich die Menschin jetzt manchmal Hundini, weil ich dazu neige plötzlich verschwunden zu sein, wenn sie sich umdreht. Dabei kann ich gar nix dafür, wenn es manchmal so interessant riecht oder ich ein Abenteuer erleben möchte.

Eure Tiffi

Glück und Schmerz…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi läuft ohne Leine. Seit einer Woche klappt es endlich. 1,5 Jahre harte Arbeit tragen Früchte. Sie geht in den Freilauf. Sie ist stabil abrufbar. Sie reagiert auch auf die Entfernung auf ein Sitz so, dass ich verhindern kann, dass sie aus Angst vor ein Fahrrad läuft und sie abholen und anleinen kann, wenn sie durch einen Außeneinfluss unsicher wird.

So hätte der Sonntag vor einer Woche ein wunderbarer Festtag werden sollen. Dies war nämlich der Tag an dem uns der Durchbruch gelang. Ich wollte einen wunderbaren Blogartikel darüber schreiben, wie wir dieses Ziel erreicht haben, was es es uns gekostet hat und welche Freiheiten wir dadurch gewonnen haben.

Stattdessen lies mich diese Tag fassungslos und traurig zurück. Denn ich erfuhr, dass unsere Hundetrainerin Elly wenige Tage zuvor plötzlich und vollkommen unerwartet verstorben war. 

Ich konnte es nicht glauben. Wollte es nicht glauben. Diese wunderbare Frau hatte Tiffi und mir so viel geholfen. Ohne sie hätten wir niemals erreicht, was wir erreicht haben.

Ich erinnere mich noch so genau an mein Telefonat mit Elly. Ich hatte zuvor mit Tiffis Pflegestelle telefoniert und war ausgesprochen verunsichert. So einen schwierigen Hund als meinen aller ersten Hund aufzunehmen, war das sinnvoll? Könnte ich das schaffen? War das dem Hund gegenüber fair? Vielleicht würde ich ihr damit die Chance nehmen von einer Person mit Hundeerfahrung zu profitieren. Und wie sollte das mit der Arbeit werden? Wie würde sich die Adoption von Tiffi auf mein gesellschaftliches Leben auswirken? Doch Elly beruhigte mich. „Wir kriegen das schon hin. Hol sie nur. Du bist genau richtig für diesen Hund und sie ist genau richtig für dich.“

Und 1,5 Jahre stand Elly an meiner Seite. Tröstete mich, wenn es mal nicht so klappte, brachte mir Geduld mit mir und meinem Hund bei, zeigte mir meine Fehler auf, holte mich von meinem hohen Ross runter, wenn ich es brauchte, dachte sich völlig neue Methoden und Übungen aus um Tiffi da abzuholen wo sie stand.

Ich werde niemals vergessen, wie sie Tiffi immer „meine kleine Maus“ nannte, wenn sie uns in der Gruppenstunde aufrief und wie die Besitzer der viel kleineren Hunde darauf verwirrt guckten. 

Ich werde niemals vergessen, wie sie Tränen in den Augen hatte, als Tiffi sich das erste mal aif Befehl hinsetzte, weil es so lange gedauert hatte, bis das klappte.

Ich werde nie vergessen wie sie einmal heimlich ihr Salamibrot mit Tiffi teilte als gerade keiner hinsah, obwohl sie normalerweise strikt dagegen war den Hund vom Tisch zu füttern.

Ich werde nie vergessen mit welcher Freude sie Tiffi zusah, wenn diese ausgelassen herumtollte oder während der Trainingsstunde herumalberte.

Ich werde nie vergessen wie sehr sie sich über jeden Fortschritt von Tiffi freute.

Ich weiß nicht ob ich ihr genug gedankt habe, für alles was sie für Tiffi und mich getan hat. Wie hätte ich auch wissen können, dass unsere Zeit so kurz sein würde? 

Zurück bleibt ein Gefühl der Fassungslosigkeit, weil ein wunderbarer Mensch einfach so fort ist. Es bleibt ein Gefühl der Traurigkeit, darüber, dass sie von Tiffis letztem großem Durchbruch nie erfahren wird, obwohl wir das doch ohne sie niemals geschafft hätten. Es bleibt das Gefühl des Zorns, weil die Welt so ungerecht ist, einen solch wunderbaren Menschen einfach aus dem Leben zu reißen.

Mir bleibt nur zu hoffen, dass sie wusste wie viel sie für uns getan hat und wie tief meine Dankbarkeit ist.

Elly, wir werden dich niemals vergessen. Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich werde immer an dich denken, wenn ich mit Tiffi arbeite und sehe, was für großartige Fortschritte sie gemacht hat.

In tiefer Trauer,

Karen und Tiffi

Mythen und Legenden…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

im Alltag mit Hund fällt mir immer wieder auf, dass sich bestimmte Mythen, Legenden und Annahmen bezüglich Hunden sehr hartnäckig halten. In diesem Artikel will ich versuchen diejenigen aufzugreifen, die ich am meisten höre und sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

1. Verwöhnte Hunde verweichlichen!

Als ich Tiffi abholte gab ich ihr im Auto mehrere Versprechen. Eins davon lautete, dass sie niemals wieder frieren müsse.

Neulich auf dem Mittelaltermarkt wurde ich von einem Gast darauf angesprochen, dass mein Hund auf einem Ziegenfell schlief, eingewickelt in eine große und flauschige Decke. Als ich erklärte, dass ihr eben zu kalt sei, bekam ich zur Antwort: „Das ist dann wohl auch so ein verwöhnter Haushund.“

Ne. Ist sie eben nicht. Sie hat in ihrem Leben nur genug gefroren und weiß die Annehmlichkeiten die ich ihr anbiete sehr zu schätzen. Zudem halte ich kalte Duschen und einen gesunden Morgenlauf im Stechschritt nicht für obligatorisch für die erfolgreiche Erziehung eines Hundes.

Aber woher kommt eigentlich diese Vorstellung, dass Hunde verweichlichen, wenn man ihnen zu viel Luxus angedeien lässt? Die wenigsten zucken auch nur mit der Wimper, wenn man für die Katze ein dreistöckiges Traumschloss von einem Kratzbaum im Wohnzimmer stehen hat. Aber ein Hund im Regenmantel löst geradezu Hysterie aus.

Vielleicht liegt es daran, dass Katzen immer nur Haustiere waren und ihr Zweck stets darin bestand gut auszusehen und zu kuscheln. Höchstens mal noch darin nebenher ein paar Mäuse zu fangen.

Hunde hingegen waren lange Zeit Nutztiere und so wenig man einer Kuh einen Pullover anziehen würde, so sehr irritiert es wohl beim Hund.

Also was tun? Den Hund lieber frieren lassen? Den Hund mal zwei Tage nicht füttern, weil der Wolf in freier Wildbahn ja auch nicht jeden Tag etwas fängt? Den Hund im Winter auch mal draußen schlafen lassen?

Äh… nö! Wofür soll das gut sein? Ich kann Tiffi jeden Tag füttern. Ich kann mir das leisten. Warum soll sie also Hungern müssen? Ich will ja auch nicht hungern, nur weil es im Mittelalter nicht immer genug zu Essen gab.

Wenn Tiffi kalt ist, dann bekommt sie eine Decke. Sie schläft im Wohnzimmer auf ihrem orthopädischen Hundebett, weil es bequem ist und sie dann weniger Probleme mit ihrem Ellbogen hat.

Trotzdem fällt sie nicht tot um, wenn ich sie mal später füttere, wenn wir im Winter Gassi gehen oder sie mal auf dem nackten Boden liegen muss.

2. Das kann der Hund ja fressen!

Mittagspause in der Arbeit. Ich habe mir vom Imbiss unten Chickenwings und Pommes geholt. Meine Kollegin kommt dazu und sagt: „Das ist ja praktisch, da kann die Tiffi ja die Knochen essen!“

Knochen, Essensreste, übrig gebliebene Wurst von einer Veranstaltung? Zum Glück habe ich einen Hund. Die funktionieren ja so ähnlich wie Müllschlucker…

Ne! Tut mir leid. Gekochte Knochen sind nicht nur nix für den Hund, sondern auch noch handfest gefährlich. Und die anderen Sachen?

Nun ich habe das Glück einen Hund zu haben, der quasi alles fressen kann, ohne auch nur Blähungen zu bekommen. Käse? Nur rein damit, Spaghetti Bolognese? Döner? Pizza? Kein Problem für Tiffi.

Doch Grundlegend gilt hier das Prinzip, die Dosis macht das Gift. Tiffi darf gerne mal eine Scheibe Wurst, ein Fitzelchen Dönerfleisch oder ein Stückchen Pizza. Aber keine 800 g Wurst, keinen halben Döner mit Zwiebeln und Extrascharf und keine Bacon, Jalapenopizza…

Ich weiß natürlich woher dieser Mythos kommt. Über Jahrhunderte hinweg wurden Hunde mit menschlichen Essensresten ernährt und es hat ihnen schließlich auch nicht geschadet… oder?

Nun, genau können wir das heute nicht mehr sagen. Wir wissen nicht wie viele Hunde daran gestorben sind, dass sie an Knochensplittern erstickt sind oder daran verstorben, das ihnen diese schwere innere Verletzungen zugefügt haben.

Sicher ist wohl, das damals weniger Gewürze zur Verfügung standen, Nahrung geundsätzlich weniger gewürzt und gesalzen war als heutzutage und diese entsprechend bekömmlicher für Hunde war.

Aber grundsätzlich ist auch hier wieder die Frage: „Warum sollte ich meinen Hund mit Essensresten füttern?“ Egal welche Ernährungsphilosophie man verfolgt, man hat so viele Möglichkeiten einen Hund sinnvoll und gesund zu ernähren. Warum sollte ich Tiffi einen ausgekochten Suppenknochen geben? Wenn ich ihr einen Knochen geben will, dann so einen eingeschweißten Schinkenknochen, den es im Tierfachgeschäft gibt. Weil sie die wahnsinnig gerne frisst und sie ihr keinesfalls schaden.

3. Die regeln das unter sich!

Mein liebster Mythos, der insbesondere unter Hundehaltern sehr verbreitet ist und mit dem ich mich fast täglich auseinandersetzen muss.

Immer wieder muss ich beim Gassi gehen fremde Hunde vor Tiffi abblocken, die ohne Leine unterwegs sind und sie ängstigen. Immer wieder kommt dann ein „Der/ die will nur mal gucken.“ Je nach Tagesform freundlich oder weniger freundlich beantworte ich das mit einer Variation von: „Meine mag das aber nicht. Die hat Angst. Bitte rufen Sie Ihren Hund zurück.“ Und die Antwort ist immer sehr ähnlich: „Die klären das schon untereinander.“

Nein! Die klären gar nicht untereinander. Tiffi ist zwar durchaus in der Lage sich gegenüber anderen Hunden verständlich zu machen, aber nicht wenn sie an der Leine ist. Im Freilauf hat sie keinerlei Probleme Dinge zu klären, was dann eventuell ungesund für den anderen Hund ausgehen kann, wenn dieser sich ihr gegenüber nicht zurück nimmt bzw. die deutlichen Warnungen ignoriert.

Freilauf geht mit Tiffi aber nur im eingezäunten Gelände, weil sie im offenen Gelände in Panik gerät, sobald die Leine ihr keinen Schutz mehr bietet. Dadurch ist sie bei Hundebegegnungen aber grundsätzlich im Nachteil und muss sich auf meinen Schutz verlassen können. Schon deshalb wird da nix untereinander geklärt.

Davon mal ganz abgesehen, sind Hunde manchmal ziemlich Arschlöcher, die gerne dominieren. Da Tiffi an der Leine immer sehr unterwürfig wirkt, ist das für viele Hunde eine Art Einladung sich ein bisschen als Boss aufzuspielen und sie zu mobben.

„Die klären das unter sich“ – Situationen sind für die beteiligten Hunde oder zumindest einen Teil der beteiligten Hunde oft negativ Erfahrungen, die lange Zeit und viel Arbeit brauchen um wieder in Ordnung gebracht zu werden.

Welche Mythen und Legenden über Hunde, ihr Verhalten und die richtige Erziehung begegnen euch denn so im Alltag?

Viele Grüße,

Karen und Tiffi

Ist doch nur ein Tier…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi und ich haben eine Weile nichts von uns hören lassen. Aber die Arbeit hat mich nach dem Urlaub mit voller Wucht gepackt. Von unserem 6 Leute Team verlassen uns zwei Kolleginnen relativ überraschend. Das hieß, viele Vorstellungsgespräche führen und nebenher noch die reguläre Arbeit mit den Klienten bewältigen. Daher war ich abends oft einfach viel zu müde für mehr als stupides Fernseher anstarren.

Zudem geht es mit dem Mittelalterverein mit großen Schritten auf den nächsten Markt mit Lager und Schaukampfauftritt zu. Dies bringt viel Planung, Organisation und ausserordentliche Trainings mit sich.

Als wäre das noch nicht genug, bekam unsere Katze Phoebe vor drei Wochen eine Blasenentzündung. Einen nächtlichen Besuch in der Tierklinik und drei Tage Schmerzmittel und Entzündungshemmer später schien es, als wären wir über den Berg. Eine Woche später ging es mitten in der Nacht leider wieder los. Der Tierarztbesuch brachte mir eine stark blutende Hand und 7 Tage Antibiotikum für die Katze ein. Ich habe ja schon gelegentlich erwähnt, dass Phoebe nicht so ganz einfach ist. Tabletten mit Futter oder Leckerlie unterjubeln ist absolut unmöglich. Sie lässt das Futter dann einfach stehen, rührt das Leckerlie nicht an und zeigt mir mit flauschoger Pfote den Vogel.

Also blieb mir nur die rabiate Methode. Katze auf den Rücken werfen, mit einer Hand die Vorderpfoten fixieren, ihr die Tablette in die Schnauze werfen und ihr dann mit der anderen Hand den Mund zuhalten. Das die Katze diese Methode bicht besonders schätzt muss ich wohl kaum erwähnen. Mich selbst brachte dies aber ebenfalls an meine Grenzen. Phoebe vertraut mir und dieses Vertrauen zweimal am Tag so sehr zu missbrauchen, ihren Zorn auszuhalten, hat mich zwischenzeitlich in Tränen ausbrechen lassen. Ich konnte es kaum ertragen und war mir zudem nicht sicher ob sie mir das jemals verzeihen würde. Sie hat mich zwischenzeitlich nämlich ganz schön abgestraft. Hat mich ignoriert, nicht mehr bei mir geschlafen und mich angefaucht und angeknurrt, wenn ich sie streicheln wollte. Nun liegen noch zwei Tabletten vor uns und zum Glück hat die Therapie gut angeschlagen.

Das erinnerte mich ein wenig daran, wie sehr mich Balus Therapie damals an meine Grenzen gebracht hat. Zwischenzeitlich bekam er jeden Tag Infusionen von mir verabreicht und mehr als einmal musste ich mir von entfernten Bekannten anhören: „Warum machst du dir so viel Stress? Ist doch nur ein Tier!“

Aber wenn ich sehe, wie nachtragen Phoebe auf die Tablettengabe reagiert, wie sehr mich Balu damals mit Liebe überschüttet hat, damit ich aufhöre ihm weh zu tun und wie tief bei Tiffi die seelischen Verletzungen durch ihre Vergangenheit sitzen, dann weiß ich „Nur ein Tier“ hat eben auch Gefühle.

Mit der Aufnahme in mein Leben habe ich mich nicht nur verpflichtet meine Tiere körperlich zu versorgen, sondern auch auf ihre emotionalen Bedürfnisse einzugehen und zugleich ihre Reaktion auszuhalten, wenn ich manchmal Dinge tun muss, die sie eben nicht verstehen und die sie deshalb verletzen.

Viele Grüße,

Karen und Tiffi

Nur Mut…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

 

inzwischen ist unser Urlaub schon wieder vorbei. Morgen früh hat uns der schnöde Alltag wieder. Es waren zwei Wochen voller Erholung, schöner Erlebnisse und Abenteuer. Trotzdem wird mir ein Tag besonders in Erinnerung bleiben.

Wir waren noch an der Ostsee. Es herrschte Westwind, weshalb das Wasser weiter draußen und der Strand sehr breit war. In Ufernähe zeigten sich mehrere kleine Sandbänke. Zu einer von diesen Sandbänken watete ich vorsichtig. Tiffi stand am Ufer und beobachtete mich misstrauisch, wie ich da mit ihrer 10 Meter Schleppleine im der Hand durch das gefährliche Wasser lief. Tiffi fürchtet sich nämlich vor den Wellen und grundsätzlich vor Wasser, dass tiefer ist als knöcheltief.

Auf der Sandbank angekommen rief ich Tiffi zu mir. Vorsichtig watete sie durch das Wasser bis zu mir rüber. Vor lauter Aufregung, dass sie das geschafft hatte rannte sie erstmal wie verrückt im Kreis am Rand der Sandbank entlang.

Nun kamen Laura und Carsten mit Shep. Die Sanbänke waren auf der vom Ufer entfernten Seite durch einen Sandstreifen verbunden, der nur knapp unter der Wasseroberfläche lag. Über diese. Steg gingen die anderen drei zur nächsten Sandbank. Ich wollte mit Tiffi hinterhergehen. Doch Tiffi verstand nicht, warum wir nicht den direkten Weg nehmen konnten. Sie war so aufgeregt und begeistert, dass sie versuchte geradeaus durch das Wasser zu ihrem Hundefreund zu gelangen. Zwei freudigen Sprüngen folgte ein entsetzter Gesichtsausdruck, als ihr der Boden unter den Füßen plötzlich fehlte und sie schwamm schnell wieder zu mir zurück. Ich muss zugeben, dass ich mich vor lachen kugelte. Was vermutlich genau die richtige Strategie war. Nachdem sich Tiffi nämlich geschüttelt hatte, wedelte sie mich begeistert an, lies sich nun aber doch lieber den richtigen Übergang von mir zeigen.

Wir spielten noch eine Weile zwischen den Sandbänken mit beiden Hunden und setzten unseren Spaziergang dann fort. Man merkte sofort, dass Tiffis Selbstbewusstsein sich gesteigert hatte. Sie jagte ein paar Enten vom Strand (was sie normal niemals tut) kletterte zwischen den Steinen herum, versuchte ein paar Algen zu essen und stiefelte die ganze Zeit mit erhobenem Schwanz vor uns her.

Später kamen wir wieder an die Sandbänke zurück. Wir  bewegten uns wieder zwischen den Inseln. Nur war das Wasser inzwischen ein bisschen höher gestiegen, weshalb an den Übergängen leichter Wellengang herrschte. Tiffi besah sich das ganze und entschied lieber zum Ufer zurück zu kehren… mittig durch das tiefe Wasser… mit mir im Schlepptau. Die Passanten am Strand fanden das sehr lustig, weil ich dabei natürlich ziemlich nass wurde. Ich war einfach nur stolz, weil Tiffi zwischen zwei Angstauslösern Wellen und tiefes Wasser hatte wählen müssen und statt in Panik zu geraten, einfach den gewählt hat, mit dem sie kurz vorher schon hatte umgehen müssen.

Die Tage vorher war Tiffi am Ende der Strandspaziergänge immer völlig fertig und trottete nur noch langsam über den Sand. An diesem Tag aber, an dem wir viel weiter als die anderen Tage gelaufen waren und viel gespielt hatten, lief sie glücklich und stolz bis nach Hause.

Erst die Erkenntnis, dass man auch komplett duschen muss, wenn man komplett im Wasser war, trübte ihre Freude ein kleines bisschen.

Viele Grüße,

Karen und Tiffi

Trigger…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi lebt inzwischen seit 1,5 Jahren bei mir. Sie ist ein großartiger Hund. Sie hat gelernt zu Spielen, zu entspannen und einfach ein glücklicher Hund zu sein. Ich habe gelernt auf sie einzugehen, sie zu Fordern und ihr Raum und Zeit zu geben, wenn es notwendig ist.

Wir haben uns beide entwickelt und ich würde behaupten, dass wir inzwischen ein gut eingespieltes Team sind. Trotzdem gibt es nach wie vor schwierige Momente.

Wie Tiffi euch schon erzählt hat, sind wir im Moment an der Ostsee. Ich genieße die Zeit mit meinen besten Freunden die meine Herzmenschen und meine Seelenfamilie sind und Tiffi genießt die Zeit mit ihrem Hundekumpel Shep, der ihr Seelenfreund ist. 1

Gerade weil Tiffi, wenn sie mit Shep zusammen ist sehr entspannt und glücklich ist, passierte es mir heute, dass ich aus Gedankenlosigkeit ein Trauma triggerte.

Wir machten unseren üblichen Nachmittagsspaziergang am Strand. Tiffi war aufgedreht und fröhlich, rannte oft Voraus und nutze die 10 Meter ihrer Schleppleine voll aus. Immer wieder traute sie sich dicht ans Wasser und sprang dann schnell weg, wenn eine Welle vor ihren Pfoten brach. Sie stellte sich ihrer Angst und machte eine Art Spiel daraus.

Auf dem Rückweg warf ich ihr ein paar Leckerlies, die sie glücklich aus dem Sand klaubte. Sichspiele mag sie nämlich besonders gerne. Als wir schon wieder an der Treppe zu unserem Grundstück angekommen waren, begann Shep im Sand zu graben, weil er noch nicht nach Hause wollte. Tiffi hingegen wirkte recht müde und angestrengt.

Ich setzte mich also auf die Uferschutzanlage und rief sie mit einem Leckerlie in der Hand zu mir. Wollte eine kurze Sequenz Sitz, Platz und Pfote mit ihr durchgehen. Befehle, die sie ganz locker befolgen kann und die somit eine Erfolgsgarantie bieten. Doch Tiffi saß wie angewurzelt im Sand und starrte mich an. Dann versuchte sie umständlich über ihre Leine zu steigen um zu mir zu kommen, brach den Versuch ab, drehte um, versuchte es von der anderen Seite und sah mich dabei durchgehend mit großen Augen an. Sie wirkte unsicher und Hilflos. Ihr Wunsch meinem Befehl zu gehorchen war deutlich zu sehen, doch irgendwas blockierte sie. Schließlich setzte sie sich unglücklich mit dem Rücken zu mir in den Sand und sah mich über ihre Schulter an. Ich prüfte also die Umgebung. Das Meer war ruhig und es herrschte kaum Wellengang. Der Wind war nicht besonders stark. Von keiner Seite näherten sich uns fremde Menschen oder Hunde. Shep und Carsten spielten neben uns im Sand, was aber auch nichts ungewöhnliches war und sie niemals zuvor gestört hat. Laura stand daneben und schaute den Spielenden zu. Sie konnte auch nicht der Stein des Anstoßes sein… Moment mal… Stein des Anstoßes… ich hielt einen Stein in meiner rechten Hand. Ich hatte auf dem Rückweg einen Feuerstein aufgehoben, der mir gefiel und da dieser zu groß für meine Hosentasche war, hatte ich ihn in der Hand getragen. Ich hatte also in der linken Hand das Leckerlie gehalten und in der rechten Hand den Stein, als ich Tiffi zu mir gerufen hatte.

Vorsichtig legte ich den Stein in den Sand und rief Tiffi noch einmal. Sie kam sofort, vorsichtig, misstrauisch, aber ohne Verzögerung. Und nun endlich wurde mir klar, dass ich sie selbst sie getriggert hatte. Menschen die einen mit Futter locken und einem dann weh tun, dass ist etwas, dass Tiffi aus ihrem früheren Leben kennt. Und es ist eigentlich ein Trigger, der mir bewusst ist. Am Anfang hatten wir oft damit zu kämpfen. Trotzdem hatte ich es in dem Moment einfach vergessen.

Nun kam der schwierige Teil. Ich nenne es das „War-was-Spiel“.  Es ist nämlich für Tiffi wichtig, die Angst nicht zu verstärken. Ich muss also so weiter machen, als ob nichts gewesen wäre, obwohl ich sie viel lieber in die Arme schließen und ihr versichern würde, dass ihr niemals mehr Jemand weh tun wird. Obwohl ich viel lieber weinen würde, weil ihr so schreckliche Dinge angetan wurden und obwohl ich viel lieber schreien würde, vor Wut über die Menschen, die ihr so weh getan haben.

Stattdessen nahm ich den Stein wieder auf und führte Tiffi die Treppe hoch zum Grundstück. Dort legte ich den Stein auf den Tisch und wechselte die Leine vom Halsband auf das Geschirr. Am Halsband führte ich Tiffi zur Gartendusche um ihr den Sand von den Pfoten zu spülen. Sie mag das eh nicht besonders, heute wehrte sie sich aber deutlich mehr und versuchte noch intensiver auszubrechen als üblich. Danach durfte sie sich in der Abendsonne trocknen und ich überlies sie sich selbst. Im Anschluss gingen wir rein, es gab Abendessen für die Hunde und wir Menschen verließen das Haus um einen Gang über die Promenade zu machen, wärend die beiden in Ruhe schliefen.

Für Tiffi ist diese Methode die beste um die Ängste nach und nach zu vermindern. Sie merkt durch das weiterführen des normalen Programms, dass ihr nichts passiert und ihre Angst keine weiteren Folgen nach sich zieht. Trotzdem tat es mir sehr leid, dass ich den Trigger erwischt hatte, obwohl ich es besser wissen sollte.

 

Viele Grüße,

Karen

 

1. Ich bin kein Fan von Worten wie Seelenfreund, Herzmensch usw. Aber manchmal bietet die Sprache zu wenig Möglichkeiten bestimmte Dinge auszudrücken oder ich müsste erst noch 18 Beiträge dazu verfassen, was Laura, Carsten und Shep für eine Bedeutung für mein Leben und das meines Hundes haben. Von daher nutze ich diese Worte an dieser Stelle um dem Leser eine grobe Ahnung davon zu geben, wie wichtig diese Drei für uns sind.

Seehund…

Liebe Menschlinge und Hundefreunde,

 

wir sind mal wieder mit meinem Kumpel Shep an der Ostsee. Freitag Abend sind wir losgefahren und Samstag früh waren wir dann da. Das war wieder eine ganz schön anstrengende Tour. Ich habe versucht wenigstens ein bisschen zu schlafen, aber der Shep hat de ganze Strecke neben mir gesessen, aus dem Fenster geguckt und gehechelt. Am Anfang habe ich meinen Kopf auf seinen Rücken gelegt, aber irgendwann war mir seine Anspannung zu anstrengend und ich hab mein Gesicht in die Autodecke gedrückt.

Samstag waren wir dann alle ganz schön müde und haben nach dem Frühstück erstmal im Garten geschlafen. Nachmittag sind wir dann ein bisschen am Strand entlang spaziert. Danach sind die Menschlinge zum Essen abgehauen und Shep und ich haben tief und fest geschlafen. Shep hat die Couch in Beschlag genommen und ich habe mich neben meinem Körbchen auf dem Boden ausgestreckt. Als die Menschlinge zurückgekommen sind haben sie versucht soch ganz leise ins Haus zu schleichen. Die Rechnung haben sie aber ohne mich gemacht. Die dachten wohl, dass ich vor lauter Müdigkeit meine Pflicht vergessen habe. Ich hab die aber genau gehört und sofort Alarm gegeben. Der Shep ist ganz schön erschrocken, weil er so fest geschlafen hat, dass er erst durch mein Bellen aufgewacht ist. Dafür hat er dann doppelt so laut gebellt, damit keiner merkt, dass er seine Pflichten vernachlässigt hat.

Wir sind dann ziemlich früh ins Bett gegangen. Deshalb war ich auch schon um 4 Uhr wieder wach. Die Menschin wollte aber nix mit mir unternehmen und auch nicht nach nebenan gehen um zu gucken ob der Shep schon wach ist. Irgendwann um 6 Uhr rum hat sie mir dann die Balkontür aufgemacht und ich konnte mich damit beschäftigen die Gegend anzugucken und um 7 Uhr sind wir dann endlich aufgestanden und zum Bäcker gegangen.

Nun machen wir uns erstmal einen faulen Tag. Die lange Reise steckt uns allen noch in den Knochen. Die nächsten Tage werde ich sicher wieder einiges zu berichten haben.

 

Viele Grüße,

eure Tiffi

 

Das Bürohimmelbett…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

ich habe euch ja mal erzählt, dass ich früher dachte, dass alte Decken und Kissen mit ausrangierten Bettbezügen der absolute Oberluxus sei, den ein Hund sich nur ertäumen könnte.

Inzwischen weiß ich es natürlich besser. Zuhause habe ich ein Bett, dass sich sogar an mich erinnern kann (Anmerkung der Menschin: Memoryschaum). Da schläft man wie auf einer Wolke und an zwei Seiten hat es einen schönen Rand, an den ich mich anlehnen oder meinen Kopf drauflegen kann. Das sieht aus wie eine kleine Couch.

Ausserdem habe ich natürlich auch noch meine richtige Couch oben im ersten Stock. Aber da gehe ich nicht mehr so oft hoch. Eigentlich fast gar nicht mehr. Ich bin lieber im Wohnzimmer bei meinen Leuten und meinem erinner-mich-Bett.

Nur in der Arbeit hatte ich immer nur so ein billiges Bett, mit einer ganz dünnen Liegefläche und einem niedrigen Rand und einem unangenehmen rauen Bezug. Gut okay, früher fand ich das Bett ganz gut. Aber da wusste ich ja noch nicht, was es alles tolles gibt. Und immerhin sind die Menschin und ich jeden Tag in der Arbeit und manchmal ganz schön lang.

Also habe ich angefangen, dass Bett zu meiden, auf dem Boden im großen Gruppenraum zu schlafen und oft durch lautes Stöhnen, schwerfälliges Aufstehen und aufdringliches Schauhumpeln auf meine Missstände aufmerksam zu machen… (Anmerkung von Tiffi: Hey, dass habe ich so gar nicht diktiert!)

Vor kurzem klingelte es dann in der Arbeit an der Tür. An sich nichts ungewöhnliches. Da herrscht immer ein großes Kommen und Gehen. Aber die Menschin kam von der Tür nicht mit einem ihrer Klienten zurück, sondern mit einem riesen großen Karton. Das war ganz schön unheimlich. Dann hat sie auch noch gestrahlt und gesagt, dass das für mich ist. Ich hab mich erstmal versteckt und mir das aus sicherer Entfernung dirch den Türspalt angeguckt. Und dann hat sie mein neues Arbeitsbett ausgepackt. Eigentlich ist es eher eine Couch als ein Bett. Die hat hinten und an den Seiten auch eine schöne weiche Lehne, wo ich meinen Kopf drauflegen oder sogar drunterstecken kann. Ausserdem ist unter dem Rand richtig viel Platz für meinen Notfallziemer und Spielsachen und das Schnabeltier. Und die Matratze ist auch mit erinner-mich-Schaum und ganz toll weich. Nur das Fell ist ein bisschen zu warm, jetzt im Sommer. Aber die Menschin hat mir meine Decke so draufgelegt, dass die kalte Seite nach oben liegt und dann geht es schon. Jetzt fühle ich mich nach der Arbeit viel ausgeruhter und liege wieder viel lieber an meinem Platz.

Es sind auch extra alle Kolleginnen in unser Büro gekommen um mein neues Bett anzugucken. Die waren alle ganz schön neidisch, die haben nämlich nur so blöde Bürostühle und so. Ich weiß eh nicht wie die da den ganzen Tag drauf schlafen können. Ich würde das nicht wollen. Aber ich bin ja eh die einzige, die in dem Laden produktiv arbeitet. Die anderen schwätzen nur den ganzen Tag, sprechen in diese kleinen schwarzen Kästen, tippen Zeug in die Flimmerkisten oder verschwinden wer weiß wohin um ein paar Stunden später wieder aufzutauchen. Kennt man ja von den Menschlingen.

Liebe Grüße,

eure Tiffi

 

Ausflug…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

heute war ein verrückter Tag. Die Menschin und ich sind mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Das machen wir sonst eigentlich nie. Und davor waren wir auch nur eine kurze Runde Gassi. Die Höhe war jedoch, dass ich im Kofferraum sitzen musste. Das muss ich niemals. Ich sitze sonst immer auf der Rückbank, auf meiner super Autodecke und kann aus dem Fenster gucken. Der Kofferraum ist so tief, dass ich gar nix sehen kann ausser ein bisschen Himmel. Das fand ich echt nicht okay und habe erstmal versucht ausweichen, als die Menschin gesagt hat, dass ich da einsteigen soll. Ich wollte zu meiner Tür am Auto laufen. Aber sie hat das nicht erlaubt. Ist ganz hart geblieben u d schöießlich habe ich nachgegeben. Toll fand ich das aber nicht. Das kann ich euch sagen.

Bei dem Arbeitsplatz von der Menschin durfte ich dann nichtmal aussteigen. Stattdessen sind alle Kolleginnen und Kollegen zu uns eingestiegen. Wir waren dann 7 Menschen und ein Hund im Auto. So sind wir ganz lange gefahren. Mehr als eine Stunde lang. Als wir endlich angehalten haben sind alle ausgestiegen ausser die Menschin und ich (Anmerkung der Menschin: Ich musste das Auto noch parken.) Ich hatte furchtbare Angst, dass die Menschin mich vergisst, weil sie mich im Kofferraum ja gar nicht sehen kann und habe deshalb versucht über die Lehne auf den Rücksitz zu klettern. Hat aber nicht geklappt. Die Menschin hat mich dann endlich aus dem Auto befreit.

Wir haben dann einen ganz super tollen Spaziergang gemacht. Da war ein Fluß, der über einen Felsen gefallen ist. Die Menschlinge nennen das Wasserfall. Ich habe in dem Fluß unterhalb des Wasserfalls gleich mal meine Pfoten gebadet und ausgiebig von dem kalten Wasser getrunken. Dann sind wir einen ganz tollen Kletterweg rauf. Ich liebe das und bin immer vorweg gedüst. Die Menschin, die ich ja an der Leine hatte, hat ein bisschen gejammert, wegen ihrem Knie, aber da musste sie halt durch. Einmal mussten wir zwischen ganz vielen Kühen durch, die auf dem Weg standen. Das war gar nicht lustig, weil die Kühe immer wieder auf mich zugekommen sind und mich böse angemuht haben. Die Menschin und ich sind flotten Schrittes und mit gesenktem Blick durch. Zu, Glück ist uns nix passiert.

Nach dem Spaziergang sind wir wieder ins Auto gestiegen und nach kurzer Zeit haben wir an einem Restaurant angehalten. Erst saßen wir draußen. Da hat mich immer so ein Dackelwelpe belästigt. Weil der aber so klein war, war mir das ziemlich egal. Dann hat es aber angefangen zu regnen und wir mussten reingehen. Das hieß auch, dass ich unter dem Tisch liegen musste. Das mag ich gar nicht so gerne. Aber die Menschin besteht drauf, weil ich sonst immer den Kellnern vor die Füße gerate… als ob ich das mit Absicht machen würde. Aber alle waren sehr beeindruckt, weil man nämlich, wenn ich unter dem Tisch liege gar nicht mehr merkt, dass ich da bin. Einige Leute haben ganz schön überrascht geguckt als wir gegangen sind und ich plötzlich aufgetaucht bin.

Nach dem Restaurant sind wir wieder nach Hause gefahren. In unserer Stadt sind wir mit den Kollegen noch in ein Café gegangen. Da war ich schon so müde, dass es mir sogar egal war, dass der Kellner zum servieren direkt über mir stand. Wir sind da gerade noch rechtzeitig aufgebrochen. Da hat es nämlich richtig doll angefangen zu regnen und zu gewittern. Die Menschin und ich sind dann ganz schnell zum Auto gerannt. Ich durfte sogar nass wie ich war ohne Decke auf die Rückbank springen und die Menschin ist ebenfalls nass auf den Fahrersitz gehüpft.

Zuhause habe ich dann als Belohnung für den Tag eine schöne Rindernase bekommen und durfte die im Garten knabbern. Da schien nämlich schon wieder die Sonne.

Macht ihr auch manchmal Ausflüge?

Eure Tiffi

Ciao Bello….

Der Sommer ist meine liebste Jahreszeit. Tiffi und ich verlassen um kurz nach 18 Uhr das Büro. Die Sonne scheint, es ist warm, ein Geruch nach Döner, Sonnencreme und Autoabgasen liegt über der Innenstadt. Wie so oft sehe ich ein bisschen wehmütig die Fassaden der schönen alten Häuser an. Unsere Kleinstadt könnte einen so schönen Kern haben, wenn nicht eine Bundesstraße mitten hindurchführen würde. Die kleinen Cafés und die Tische der Restaurants wären viel einladender, würden nicht lange Schlangen von Fahrzeugen vorbeibrausen. Was für eine wunderschöne Fußgängerzone könnte hier vor mir liegen.

Ich lasse mir davon aber die Laune nicht verderben. Ich genieße die wärme auf meiner Haut. Tiffi läuft fröhlich grinsend neben mir. Sie liebt den Feierabend ebenso sehr wie jeder andere auch. Heute ist ein guter Tag. Routiniert und ohne größere Schrecken überqueren wir die erste Ampel und treten die erste Etappe unseres Heimwegs an. Vorbei an Friseuren, Bäckereien, Italienern, Straßencafés und vielen Menschen, die der Sommer auf die Straße treibt.

Wir führen einen kleinen Tanz auf. Weichen hier einem Fahrrad aus, dort einem angebundenem Hund vor dem Drogeriemarkt. Kurz bleiben wir stehen um eine schnatternde Gruppe Teenager passieren zu lassen, die Tiffi verunsichern. Wir weichen nur den schlimmsten Angstfaktoren aus. Dabei lege ich wert darauf, dass es nicht wie eine Flucht wirkt. Tiffi soll sicher sein, dass wir nicht aus Angst ausweichen. Ich würde es auch gar nicht tun, wenn es auf dem engen Gehsteig nicht zu Problemen führen würde, wenn Tiffi panisch vor dem Fahrrad flüchtet und dabei einen Rentner anstößt, sich mitten vor der Gruppe der Teenager auf den Boden wirft oder bei der Flucht vor dem anderen Hund mit einem Kinderwagen kollidiert.

Und dann erreichen wir Tiffis persönliche Fanmeile. Das erste Zungenschnalzen kommt aus dem kleinen Café. „Ciao Bello!“ ruft der italienische Kellner. Ich lächle und Tiffi wedelt ein bisschen. Einige Meter weiter steht ein weiterer Kellner vor dem neuen Griechen und bewacht die Tische auf dem Seitenstreifen neben dem Gehweg. „Kali spera, mein Schatz!“ ruft er Tiffi zu. Wieder mein strahlenstes Lächeln und Tiffis wedeln. Jeden Tag gehen wir entlang. Und Tiffi mit ihrem wunderschönen Äußeren und ihrem schüchternen Lächeln lässt die Herzen höher schlagen.

Kurz hoffe ich, dass der Sommer niemals Enden möge. Das die dunkle Jahreszeit, wenn wir im Dunkeln, geduckt gegen Regen und Schnee diesen Weg gehen noch lange, lange auf sich warten lässt.